Werther
Ich höre gerade Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe (zur Zeit des Entstehens noch ohne »von«), erschienen immerhin 1774. Wie üblich auf dem Weg zur und auf dem Weg von der Arbeit. Es ist ewig her, dass ich den Roman gelesen habe. Damals in Berlin, in einer Nacht. Wieder ist es diese Sprache, ruhig dahinfließend, die mich fesselt. Der »Werther«, für damalige Verhältnisse ein Bestseller, beeinflusste die Mode der Herren, und fand angeblich auch Nachahmer, unglücklich Verliebte, die durch ihren Tod Erlösung von den Liebesqualen suchten.
Das Bild passt von Zeit her nicht – da war Goethe (1748-1832) schon im hohen Alter und geadelt. Als er den »Werther« schrieb, war er ein Jüngling von Anfang 20.
Ach diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle! - Ich denke oft, wenn du sie nur einmal, nur einmal an dieses Herz drücken könntest, diese ganze Lücke würde ausgefüllt sein.
Ich habe so viel, und die Emfpindung an ihr verschlingt alles; ich habe so viel, und ohne sie wird mir alles zu Nichts.
Ich lege mich so oft zu Bette mit dem Wunsche, ja manchmal mit der Hoffnung, nicht wieder zu erwachen: und morgens schlage ich die Augen auf, sehe die Sonne wieder, und bin elend.
Sie sieht nicht, sie fühlt nicht, daß sie ein Gift bereitet, das mich und sie zugrunde richten wird; und ich mit voller Wollust schlürfe den Becher aus, den sie mir zu meinem Verderben reicht.









