The End
The End in 12:47 Minuten von The Doors mit dem unvergleichlichen Jim Morrison.
Gestern starb Augusto Pinochet, friedlich. Seinen Gegnern war das nicht vergönnt. Sie wurden entführt, gefoltert, ermordert, verscharrt, ins Meer geworfen. Pinochet wurde mehr als neunzig Jahre alt. Ihm wurde nie ernsthaft der Prozess gemacht. Er setzte um, was die nordamerikanischen Freunde billigten.

Er war verantworlich für den Tod von Salvador Allende, gewählter sozialistischer Präsident, der nach dem Bombardement der Moneda wohl den Tod suchte. Pinochet ist Schuld am unermesslichen Leid vieler Chilenen. Einige von ihnen habe ich kennen gelernt. Freundliche, friedliche Menschen, die diese herrlichen Empanades machten, die auf jedem Basar, bei jedem politischen Fest meine Leibspeise wurde. Oder Alfredo mit seiner Familie, schöne, stolze Menschen, die Fotos zeigten aus besseren Zeiten – aber immer dabei: das Militär. Auf einem Foto war auch Pinochet zu sehen. Unscheinbar schien er. Der Teufel steckte in ihm. Er schien auf seine Zeit zu warten.

Wir lernten die chilenische Kultur kennen. Pablo Neruda – natürlich. Er war auch schon vorher die Ikone der chilenischen Literaten. Oder Victor Jara. Und dann auch zum Beispiel Los Jaivas, Musiker mit einem voluminösen Mix aus Rock und Folklore.
Und später dann die Romane von Isabel Allende, die Nichte von Salvador Allende, die die Geschichte auf ihre Art beschrieb und ein Millionenpublikum erreichte. Sie war auch verantwortlich für den Namen der Tochter einer guten Freundin.
So wird in jedem von uns ein wenig weitergereicht, um es zu bewahren.

Und dann, 1975, wurde Luis Corvalán, der Chef der KP endlich frei gelassen. Auf einem Festival sah ich ihn auf der Bühne stehen, nichts wissend von dem Handel der politischen Freunde in Moskau. Aber immerhin: er war da und frei! Schon alt und gebrechlich. Und wir sangen wenigstens den Refrain des Liedes von Sergio Ortega:
El pueblo unido jamás será vencido!
El pueblo unido jamás será vencido!
Steht auf und singt! Ein neues Lied beginnt.
Ein neuer Kampf die Zukunft uns gewinnt.
Doch nur vereint besiegen wir den Feind.
Kämpft mit uns, Freund, daß morgen wir die Sieger sind!
In unserem Lied der neue Morgen glüht,
wie unsre Fahne glüht im wilden Wind.
Und Chile kämpft! Sein Kampf wächst mit dem Schmerz
und lodert aus den Minen himmelwärts
Von Nord nach Süd das Volksfrontbanner zieht.
Die Einheit glüht: Wir schmieden sie aus Chiles Erz.
Der Weg ist klar: Unidad Popular!
Das Volk es kämpf mit Hand und Hirn und Herz.
Und jetzt wird das Volk sich erheben
im Kampfe und singen,
und singen mit mächtiger Stimme:
El pueblo unido jamás será vencido!
El pueblo unido jamás será vencido!
Und Chile singt das Lied vom neuen Licht,
vom neuen Tag, der freundlicher anbricht,
noch rot vom Blut, doch hell und klar und gut!
Genossen, Mut! Das Volk mit einer Stimme spricht.
In unsrem Schritt Millionen ziehen mit.
Das Volk vereint weicht den Faschisten nicht.
Und Chile tanzt, wenn es den Kampf geführt.
Es tanzt vereint, wie es vereint marschiert.
Faschistenpack! Es kommt, es kommt der Tag,
der Siegestag. Dann wird die Rechnung präsentiert.
Voran! Nach vorn! Für uns geht nichts verlorn.
Nur Ketten sind es, die das Volk verliert.
Und jetzt wird das Volk sich erheben
im Kampfe und singen,
und singen mit mächtiger Stimme:
El pueblo unido jamás será vencido!
El pueblo unido jamás será vencido!
Und noch ein Lied zum Schluss:
Venceremos!
Aus dem blühenden Herzen des Landes
dringt die Stimme des Volkes empor.
Seht, es zeigt sich ein besseres Morgen
und es jubelt ganz Chile im Chor.
Fest entschlossen die Arbeiter, Bauern
fest entschlossen die Frauen im Land
die Studenten, Soldaten und Kumpels
geben sich im Vertrauen die Hand.
Venceremos, venceremos,
sprengt die Ketten, in denen ihr liegt.
Venceremos, venceremos,
so nur wird unser Elend besiegt.
Venceremos, venceremos,
sprengt die Ketten, in denen ihr liegt.
Venceremos, venceremos,
so nur wird der Faschismus besiegt.
Sergio Ortega, Claudio Iturra, Hans Georg Albig (deutsch)

Die Ideenschmiede von Google Labs ist auch für allerlei Spielereien gut. Google Trends liefert eine grafische Auswertung von Suchbegriffen, vergleichen kann man so die Menge und Jahresverteilung. Bei Osterhase und Weihnachtsmann verwundert das Ergebnis nicht. Bei der Suche nach Grünkohl vs. Spargel gibt es natürlich eine auffällige Häufigkeit in Norddeutschland.
Da kann man stundenlang mit rumspielen. Und auch wirklich sinnvolle Aussagen generieren lassen.


Und wieder etwas neues von Tom Waits: Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastard. Diesmal gleich drei Alben. Und dazu gibt es im iTunesStore auch noch drei Clips. Wunderbar. Seit gut zwanzig Jahren liebe ich seine Musik. Diese unglaubliche Stimme, die nur er so als Instrument einzusetzen weiß. Und wohl deshalb höre ich selten, was er zu sagen hat. Ich lausche den Klängen. Immer und immer wieder.
Gerade so wie man regelmäßig zum Zahnarzt gehen sollte. In Berlin hatte ich einen Dentisten, der zum besseren Arbeiten oder zum Wohlfühlen erst einmal Tom Waits auflegte. Damit war er mir gleich sympathisch. Die Zahnarzthelferinnen hörten lieber Rias 2 – oder wie dieser unsägliche Sender hieß. Grauenvoll. Und die Behandlung war nicht von Grauen gesprägt, sondern gut – nicht nur wegen der Musik.
Spannend sind immer wieder diese Kleinigkeiten, hier ein bisschen Percussion, oder ein Instrument, das nur mal eben so nebenbei ein paar Klänge beisteuert. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken.
Es ist das Schicksal und vielleicht die Größe dieses Werkes, dass es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt.
Albert Camus über Franz Kafka
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