Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 3.07.2007 | 8:49

Franz Kafka 5 Jahre altHeute ist der Geburtstag von Franz Kafka, es wäre sein 124. geworden. Das Foto zeigt Franz Kafka im Alter von fünf Jahren: Auch damals ging »man« schon zum Fotografen. Und das Zitat ist der Erzählung »Die Verwandlung« entnommen:
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.
›Was ist mit mir geschehen?‹ dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden…
Gregors Blick richtete sich dann zum Fenster, und das trübe Wetter – man hörte Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen – machte ihn ganz melancholisch. ›Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße‹, dachte er, aber das war gänzlich undurchführbar…

Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka von Dietbert | 25.02.2007 | 19:34

Franz Kafka 1912 Das Tagebuch von heute an festhalten! Regelmäßig schreiben! Sich nicht aufgeben! Wenn auch keine Erlösung kommt, so will ich doch jeden Augenblick ihrer würdig sein. Diesen Abend verbrache ich in vollständiger Gleichgültigkeit am Familientisch, die rechte Hand an der Sessellehne der neben mir Karten spielenden Schwester, die linke schwach im Schooß. Von Zeit zu Zeit suchte ich meines Unglücks mir bewußt zu werden, es gelang mir kaum…

Franz Kafka, Tagebücher, 25. Februar 1912

Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 7.02.2007 | 9:57

Kafka 1917

Vollständige Stockung. Endlose Quälereien.

Franz Kafka, Tagebücher, 7. Februar 1915

Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 31.01.2007 | 0:01

Kafka 1917

Nichts geschrieben. Weltsch bringt mir Bücher über Goethe, die mir eine zerstreute, nirgends anwendbare Aufregung verursachen. Plan eines Aufsatzes »Goethes entsetzliches Wesen«. Furcht vor dem 2 stündigen Abendspaziergang, den ich jetzt für mich eingeführt habe.

Franz Kafka, Tagebücher, 31. Januar 1912

untertauchen

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 30.01.2007 | 19:57

Kafka 1917

Die alte Unfähigkeit. Kaum 10 Tage lang das Schreiben unterbrochen und schon ausgeworfen. Wieder stehn die großen Anstrengungen bevor. Es ist notwendig förmlich unterzutauchen und schneller zu sinken als das vor einem versinkende.

Franz Kafka, Tagebücher, 30. Januar 1915

Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 1.12.2006 | 16:09

Es ist das Schicksal und vielleicht die Größe dieses Werkes, dass es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt.

Albert Camus über Franz Kafka

Kafka erHören

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 24.11.2006 | 1:41

Auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Weg nach Hause höre ich gerade Kafka erHören. Dieses Hörbuch habe ich bei audible.de erstanden mit meinem wunderbaren Monatsabonnement. Neben der früher mal gelesenen Verwandlung gibt es auch noch In der Strafkolonie und Der Hungerkünstler, die ich nun zum ersten Mal vernehme. Und dann freue ich mich für morgen auf den Bericht für eine Akademie. Gelesen wird von Mechthild Großmann, Mario Adorf, Dirk Bach und Hanna Schygulla.
Wunderbar ist das Abo schon, aber immer noch bleibt zu kritisieren, dass es keine vernünftigen Backups gibt und es wäre praktischer, wenn die einzelnen Erzählungen auch einzeln auszuwählen wären. Wenn schon Kooperation mit Apples iPod, dann doch bitte auch apple-like ;)

Kafka - Weiss - Marx

Abgelegt unter Fragmente, Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 27.09.2005 | 23:57

»Jemand mußte Josef K. verläumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.« Der erste Satz aus dem Process von Frank Kafka.
Gabriel García Márquez postuliert, dass der erste Satz eines Werkes der Wichtigste ist. Der Leser wird gefangen oder findet keinen Zugang. Dieser erste Satz von Franz Kafka ist einer der Eindringlichsten. Ein Abgrund tut sich auf. Das Unfassbare, nicht Kontrolllierbare, Ausgeliefertsein, Machtlosigkeit, Dunkelheit. Das Dräuende. Der Druck. Nicht wissen, was zu tun ist. Was ist richtig? Was der nächste Schritt? Wie kann der Druck genommen werden? Wo ist da noch Platz für Liebe? Kann es Freiheit geben? Oder ist der Mensch gefangen, fremdbestimmt. Die Parameter des eingenen Lebensentwurfs gehen verloren. Auf wen ist Verlass? Ist Rettung möglich? Die letzte Antwort blieb uns Kafka schuldig. Josef K. rannt alleine gegen das Unrecht an. Er sitzt vor den Toren des Gesetzes und wartet. Niemand lässt ihn hinein. Warum? Weil er nicht Einlass verlangte? Nicht handelte.
Das Werk blieb Fragment. Wie das meiste von Kafka. Er wusste die Anwort nicht - oder nicht in Worte, in eine Geschichte zu fassen.
Und dann noch: Das Schloss. Das Unerreichbare. Der Landvermesser misst seinen Handlungsspielraum aus. Wie kann ich meinen Weg finden? Das Ziel ist fast zu sehen, er hat eine Vorstellung davon. Er weiß nicht, was zu richtig ist, was zu tun ist. Verliert sich im Schnee, in den Menschen.
Das Schloss führt mich unweigerlich zu Peter Weiss und zur Ästhetik des Widerstands: Wie kann sich der Mensch behaupten, wie kann der Entrechte zum Handelnden werden? Wo findet der Mensch Grundlagen, die sein Handeln bestimmen. Wie kann unter dem Faschismus Menschsein bewahrt werden. Überleben? Die Welt ändern? Die Kunst ist das Gedächtnis der Menschheit. Wenn wir uns diese aneignen, können wir Wege finden, die Fragen stellen, die zu Antworten werden. In der Antike, im Feudalismus, im Kapitalismus, unter der faschistischen Herrschaft und auch unter dem stalinschen Sozialismus.
Wenn wir wissen könnten, was die Welt im Innersten zusammenhält (Goethe, Faust), gäbe es dann einen Weg zur Freiheit, zur Selbstbestimmung? Eine gerechte Welt?
Eine Welt, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist. (Marx, Manifest der Kommunistischen Partei). Und der erste Satz des Manifestes hat es auch in sich: Ein Gespenst geht um in Europa. Darüber wird noch zu schreiben sein.

Der Process

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 25.09.2005 | 21:51

»Jemand mußte Josef K. verläumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.«
So fängt Der Process von Frank Kafka an. Ein Fragment. Wie dies hier. Nicht mehr. Nicht weniger.

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