Verbrannt

Abgelegt unter Literatur, Politik von Dietbert | 10.05.2008 | 17:56

»Da kommen sie nun aus allen Löchern gekrochen,
die kleinen Provinznutten der Literatur …«
Kurt Tucholsky

Heute jährt sich zum 75. Mal die Bücherverbrennung. Nazi-Deutschland wollte vernichten:
Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Max Brod, Otto Dix, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Leonhard Frank, Sigmund Freud, Iwan Goll, George Grosz, Jaroslav Hašek, Heinrich Heine, Ödön von Horvath, Heinrich Eduard Jacob, Franz Kafka, Georg Kaiser, Erich Kästner, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Theodor Lessing, Alexander Lernet-Holenia, Karl Liebknecht, Georg Lukács, Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Karl Marx, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Ludwig Renn, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Felix Salten, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Jakob Wassermann, Franz Werfel, Grete Weiskopf, Arnold Zweig, Stefan Zweig. André Gide, Romain Rolland, Henri Barbusse, Ernest Hemingway, Upton Sinclair, Jack London, John Dos Passos, Maxim Gorki, Isaak Babel, Vladimir Iljic Lenin, Leo Trotzki, Wladimir Majakowski, Ilja Ehrenburg … … …
Es wurden ermordet: Carl von Ossietzky, Erich Mühsam, Gertrud Kolmar und Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld, Arno Nadel, Georg Hermann, Theodor Wolff, Adam Kuckhoff, Rudolf Hilferding … es suchten den Freitod: Walter Hasenclever, Ernst Weiss, Carl Einstein, Walter Benjamin, Ernst Toller, Stefan Zweig … es wurden ausgebürgert: Ernst Toller und Kurt Tucholsky … es wurden zu Flucht ins Exil gezwungen: Walter Mehring und Arnold Zweig … einige versuchten in der »inneren Emigration« zu überleben: Erich Kästner … …

Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich!
Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht
Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch, Verbrennt mich!

Bertolt Brecht: Die Bücherverbrennung

Denk ich an Deutschland…

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 13.12.2007 | 11:40

Heinrich Heine 1831

… denk ich an Heinrich Heine, der heute vor 210 Jahren geboren wurde. Das ist zugegeben lange her, er kämpfte nicht gegen Windmühlen, sondern gegen starke Gegner, sie vertrieben ihn ins Exil nach Frankreich und antworteten mit Zensur – und das ist mehr als aktuell. Heine antwortete mit einem spöttischen Text:

Die deutschen Censoren —— —— —— ——
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—— —— —— —— —— Dummköpfe —— ——
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Caput I aus »Deutschland. Ein Wintermärchen«:

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.
Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Geniusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Sie schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder -
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe -

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen -
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte -
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.

Kafka

Abgelegt unter Franz Kafka, Literatur von Dietbert | 3.07.2007 | 8:49

Franz Kafka 5 Jahre altHeute ist der Geburtstag von Franz Kafka, es wäre sein 124. geworden. Das Foto zeigt Franz Kafka im Alter von fünf Jahren: Auch damals ging »man« schon zum Fotografen. Und das Zitat ist der Erzählung »Die Verwandlung« entnommen:
Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.
›Was ist mit mir geschehen?‹ dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden…
Gregors Blick richtete sich dann zum Fenster, und das trübe Wetter – man hörte Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen – machte ihn ganz melancholisch. ›Wie wäre es, wenn ich noch ein wenig weiterschliefe und alle Narrheiten vergäße‹, dachte er, aber das war gänzlich undurchführbar…

Bloomsday

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 16.06.2007 | 13:55

James Joyce Ulysses Cover Erstausgabe Fast vergessen, dass wir heute Bloomsday haben. Und ich bin wieder nicht in Dublin. Aber irgendwann denk’ ich mal rechtzeitig dran.

blinde Drucker

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 26.05.2007 | 17:28

Wie man hier lesen kann, sollen die Drucker den neuen, siebten und letzten Harry-Potter-Band im Dunklen drucken. Sie sollen nichts verraten dürfen. Sie sollen aber wohl dafür sorgen, dass genug Farbe auf dem Papier aufgetragen wird. Wie das gehen soll, weiß wohl nur der Zauberer allein.

Heute ist Towel Day

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 25.05.2007 | 9:26

Über die Bedeutung des Handtuch-Tages und was das alles mit Douglas Adams und seinem berühmtesten Werk »Per Anhalter durch die Galaxis« zu tun hat, klärt uns natürlich IT&W auf:

Douglas Adams Der Tag des Handtuchs erinnert an Douglas Adams, den Schöpfer des »Hitchhiker’s Guide« und anderer unsterblicher Werke, der im Mai 2001 gestorben ist. Heute, am 25. Mai, tragen seine Fans den Tag über ein Handtuch mit sich herum. Warum? Weil ein Handtuch das praktischste Ding ist, was man auf seinen Reisen – durch die Galaxis oder durch das Internet – bei sich tragen kann. Denn:

»Ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn zum Beispiel ein Strag (Strag = Nicht-Anhalter) dahinter kommt, dass ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen, er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug usw., usw. Und der Strag wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge bereitwilligst leihen, die der Anhalter zufällig gerade ›verloren‹ hat.

Der Strag denkt natürlich, dass ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muss, auf den man sich verlassen kann.«

Zum Karfreitag ein Gedicht

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 6.04.2007 | 7:55

Heinrich Heine 1831

Caput XIII

Und als der Morgennebel zerrann,
Da sah ich am Wege ragen,
Im Frührotschein, das Bild des Manns,
Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

Sie haben dir übel mitgespielt,
Die Herren vom hohen Rate.
Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos
Von der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
Noch nicht in jenen Tagen
Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch
Über die Himmelsfragen.

Der Zensor hätte gestrichen darin,
Was etwa anzüglich auf Erden,
Und liebend bewahrte dich die Zensur
Vor dem Gekreuzigtwerden.

Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel -
Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844

Goethe

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 22.03.2007 | 7:53

Johann Wolfgang von Goethe 1828Heute vor 175 Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe. In der Schule wurde ich maßvoll mit seinen Gedichten und anderen Werken gequält. Zum Glück hatte ich einen »modernen« Deutschlehrer, der uns das Auswendiglernen von ellenlangen Gedichten ersparte. In der Oberstufe dann ließ es sich nicht vermeiden, den Wilhelm Meister zu lesen. In den niedersächsischen Lehrplänen kannte man neben Goethe nur noch Franz Kafka. Beide verfolgten mich in jedem Schuljahr. Erst auf der Uni lernte ich beide lesen und lieben.
Und so musste ich auch erfahren, dass es möglich ist, über ein Gedicht seitenlange Betrachtungen abzufassen, die mir den Inhalt zwar nicht immer besser erschlossen, aber zur intensiven Beschäftigung mit den wenigen Zeilen beitrugen.

Wandrers Nachtlied

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Vom Gehen und Laufen

Abgelegt unter !=, Literatur von Dietbert | 14.03.2007 | 13:30

Bastian Sick in seinem neuesten Zwiebelfisch:

Die Abfahrt von Schiffen wird Abgang genannt. Und wenn das Schiff den Hafen verlässt, spricht man auch vom Auslaufen. Erst geht das Schiff, dann läuft es. Manchmal läuft es auf ein Riff, und anschließend geht es wieder, nämlich unter.

Unbedingt den ganzen Artikel lesen!

Dshamilja

Abgelegt unter Literatur von Dietbert | 3.03.2007 | 21:08

Wieder gelesen: Dshamilja von Tschingis Aitmatov. Eine wunderschöne Liebesgeschichte: Liebe zu den Menschen, zur Natur, auch Vaterlandsliebe in den Zeiten des Großen Vaterländischen Krieges im August 1943 in Kirgisistan. Die Liebe zweier Menschen bricht mit Traditionen, für ein neues Leben.

»Ich danke Gott, an den ich nicht glaube, für diese Augustnacht, an die ich glaube mit meinem ganzen Glauben an die Liebe.«
Louis Aragon

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